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 Leistungsschwerpunkte / Liquordiagnostik / Untersuchungsmaterial /

Das Untersuchungsmaterial

Welche ZNS-Teile sind für eine Liquordiagnostik zugänglich?

Der Liquor wird als Ultrazentrifugat in den Plexus choroidei der vier Hirnventrikel gebildet. Er fließt durch das Foramen Magendie und die beiden Foramina Luschkae in die basalen Zisternen. Von dort teilt sich der Liquorfluss in zwei Richtungen auf:entweder in den Lumbalsack (absteigend) oder entlang des Kortex (aufsteigend). Über die Arachnoidalzotten in den Pacchioni-Granulationen wird der Liquor dann wieder ohne Filtration in den venösen Blutkreislauf aufgenommen. Das mittlere Volumen eines Erwachsenen beträgt etwa 140 ml bei einer täglichen Produktion von ca. 500 ml bei einer durchschnittlichen Flussgeschwindigkeit von 0,3 ml/ml

Entstehungsart und - ort sowie die Richtung des Liquorflusses legen nahe, dass der Lumbal-Liquor nicht für alle Hirnareale gleichermaßen repräsentativ ist. Die über den Liquor zugänglichen Hirngebiete werden daher auch als das „liquor-analytische Gehirn“ bezeichnet. Zu den für die Liquor-Diagnostik gut zugänglichen Hirnarealen gehören:

Hemisphärenmark bis zu einem Ventrikelabstand von ca. 30 mm
Stammganglien, subpontine Teile des ZNS, Kleinhirn
Teile der basalen Rinde.

Daraus folgt, dass insbesondere die folgenden genannten Erkrankungen über die Liquoranalyse diagnostizierbar sind:

Meningitis, Erkrankungen von Rückenmark und Spinalwurzeln
Erkrankungen aus dem Versorgungsbereich der Arteria basilaris
Multiple Sklerose
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (Stammganglien, Kleinhirn)
basale Meningoenzephalitis (z.B. HSV-bedingt)
maligne Form der Neurozystizerkose (Leitsymptom: Hydrozephalus)

Demgegenüber werden bei kortexnahen sowie sub- und epiduralen Prozessen sowie Erkrankungen aus dem Versorgungsgebiet der Arteria carotis meist normale Liquorbefunde erhoben. So kann bei einer schweren bakteriellen Entzündung im Frontal- bzw. Parietalhirn die Pleiozytose im Liquor fehlen!

Probenmenge (das Serum nicht vergessen!)

Je nach klinischer Fragestellung wird die Indikation zur Gewinnung von Liquor durch Lumbalpunktion, seltener durch Ventrikel- oder Subokzipitalpunktion gestellt. Shuntliquor stellt eine weitere Besonderheit dar.

Bei jeder Punktion sollte eine möglichst große Menge an Liquor gewonnen werden; die Abnahme in mehreren Gefäßen (fortlaufende Nummer vergeben!) ist sinnvoll. Zu jeder Liquorgewinnung sollte parallel eine Blutentnahme (ca. 5 - 10 ml Serum) erfolgen, da die Beurteilung von Untersuchungen aus Liquor häufig nur durch Bezug auf das Messergebnis für diesen Parameter im Blut erfolgen kann (siehe einzelne Parameter).

Probentransport und Lagerungsbedingungen

Grundsätzlich muss der gewonnene Liquor schnellstmöglich in das Labor transportiert werden. Liquorzellen zeigen bereits schon 2 Stunden nach der Punktion signifikante Alterungserscheinungen; ein zu langer Transport gefährdet daher die korrekte Bestimmung der Zellzahl sowie die sichere morphologische Beurteilung des Liquorzellbildes.

Für die mikrobiologische Diagnostik ist aufgrund der Labilität der Erreger auf einen Transport bei 37°C in einem sterilen Gefäß zu achten. Bei drohendem Zeitverzug kann auch ein Teil des Liquors in einem entsprechenden Kulturmedium (Blutkulturflasche) transportiert werden.

Es sollte jedoch immer Nativliquor für die Erstellung eines Gram-Präparates sowie die Durchführung weiterer Untersuchungen mitgeschickt werden. Für alle klinisch-chemischen, serologischen und immunologischen Untersuchungen sollte der Liquor bei +4°C - +8°C transportiert bzw. gelagert werden. Die insgesamt notwendige Probenmenge kann aus der Übersichts-Tabelle unter Punkt 10 entnommen werden.

Die "diagnostische" Punktion

Die Aussagekraft der Ergebnisse von Untersuchungen des Liquors hängt auch wesentlich von der Fragestellung und dem Zeitpunkt der Punktion innerhalb des Krankheitsverlaufes ab. Es werden die erste diagnostische Punktion sowie Verlaufspunktionen (2. bzw. 3. diagnostische Punktion) unterschieden. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige Konstellationen bei der ersten diagnostischen Punktion:

Erkrankung 
Zeitpunkt Punktion 
Aus- sehen 
Zellen (n/ml) 
Bemerkung 
Eitrige Meningitis 
1./2. Tag 
eitrig 
> 800 Neutrophile 
rasch zunehmende Somnolenz, Halbierung der Zellzahl bei wirksamer Antibiose
 
Apurulente
bakterielle Meningitis 
2./3. Tag 
trans- parent 
wenige
Neutrophile 
verschleppte Diagnostik; Anstieg der Zellzahl bei wirksamer Antibiose 
Primär septische
bakterielle Meningitis 
1. Tag 
trans- parent 
Ø (Bakterien!) 
Hautblutungen, foudroyanter Verlauf 
Tuberkulöse Meningitis  
1./2. Woche 
trans- parent 
mehrere 100
mono-nukleäre Zellen 
Bakterien- nachweis gelingt
selten (PCR notwendig) 
  
2./3. Woche 
trans- parent 
mehrere 100 
IgA-Synthese oder Ig-Switch: QIgG > QIgA → QIgA > QIgG 
Virale Meningitis 
2./4. Tag 
trans- parent 
< 800
Lymphozyten 
bei früher Punktion:
Neutrophile > Mononukl. Zellen 
Subarachnoidal- blutung 
1./2. Tag 
blutig, xantho- chrom 
Reizpleo-zytose 
blutiger Liquor 

Der Beginn der Symptomatik bestimmt häufig den Zeitpunkt für die erste diagnostische Punktion:

1./2. Tag 
bei 
eitriger Meningitis 
3.-5. Tag 
bei 
viraler Meningitis 
3.-5. Tag 
bei 
Guillain-Barré-Polyradikulitis 
5.-7. Tag 
bei 
grippalem Vorstadium der Herpesenzephalitis 
2.-3. Woche 
bei 
tuberkulöser Meningitis. 
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