Gewinnung von Untersuchungsmaterial
Das Material sollte möglichst vor Beginn einer antibiotischen Behandlung gewonnen werden, optimalerweise bei Krankheitsbeginn oder im akuten Stadium. Material unter sterilen Bedingungen von der Körperregion entnehmen, an der der vermutete Erreger am ehesten zu erwarten ist.
Bitte stets fest verschließbare und sterile Transportgefäße verwenden, damit das Risiko sekundärer Verunreinigungen ausgeschlossen sowie die Infektionsgefahr für das Laborpersonal minimiert wird (gemäß Gefahrgutverordnung Klasse 6.2.).
Transportzeiten und Zeiten der Zwischenlagerung sollten so kurz wie möglich gehalten werden.
Bei laufender Chemotherapie wird um Mitteilung der eingesetzten Pharmaka inkl. Dosierung gebeten. Die Probe sollte dann unmittelbar vor der nächsten Antibiotikagabe entnommen werden.
Für die klinisch-mikrobiologische Bewertung der Untersuchungsbefunde sind nähere Angaben zum Patienten oft entscheidend.
Neben Name und Geburtsdatum des Patienten sind dies:
![]() | Klinische Verdachtsdiagnose, insbesondere bei speziellen Fragestellungen (z. B. Brucellose, Diphtherie, Endokarditis, Cholera)
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![]() | Art und Herkunft des Materials
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![]() | Aktuelle antibiotische Behandlung
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![]() | Auslandsaufenthalte (wenn relevant)
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![]() | Entnahmedatum und -zeitpunkt |
Bitte Röhrchen und Begleitschein sorgfältig beschriften!
Blutkulturen
Indikationen:
1. Unklares Fieber
2. Verdacht auf:
- Sepsis
- Meningitis
- Pneumonie
- Endokarditis
- Osteomyelitis
- Pyelonephritis
- Pyogene Arthritis u. v. a.
Abnahme:
![]() | Füllmenge: 8 - 10 ml pro Flasche (Spezialflaschen für Kinder: 1 - 5 ml)
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![]() | vor Beginn der Antibiotikatherapie (unter laufender Chemotherapie unmittelbar vor der Applikation)
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![]() | nach gründlicher Hautdesinfektion
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![]() | zu Beginn des Fieberanstiegs
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![]() | nicht aus Venenkathetern
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![]() | aerobe und anaerobe Blutkulturflaschen beimpfen |
Der Transport ins Labor sollte möglichst sofort erfolgen.
Die wiederholte Abnahme mehrerer Blutkulturen erhöht die Wahrscheinlichkeit eines positiven Keimnachweises erheblich.
Wichtig: Bei den modernen Blutkultursystemen (z. B. BacTec© oder BacTAlert©) entfällt die früher übliche Belüftung der aeroben Flaschen. Die Flaschen sollten bis zum Transport bei Raumtemperatur gelagert werden (KEINE Vorbebrütung!). Transport ebenfalls bei Raumtemperatur.
Tabelle 1: Empfehlungen zu Häufigkeit und Zeitpunkt von Blutentnahmen bei Sepsis (DGHM-Verfahrensrichtlinien)
Sepsis mit intermittierendem Fieber | 1. Tag | 2 - 3 Entnahmen vor Therapiebeginn, möglichst frühzeitig im Fieberanstieg. |
2. Tag | 2 Entnahmen am Ende des Antibiotika-Dosierungsintervalles. | |
Kontinuafieber | 1. Tag | 2 - 3 Entnahmen in mindestens einstündigem Abstand, möglichst 2 davon vor Therapiebeginn. |
2. Tag | 2 - 3 Entnahmen am Ende des Antibiotika-Dosierungsintervalles. | |
Verdacht auf Endokarditis | 1. Tag | Mindestens 3 Entnahmen vorn Therapiebeginn, idealerweise vor dem zu erwartenden Fieberanstieg. |
2. Tag | 2 - 3 Entnahmen am Ende des Antibiotika-Dosierungsintervalles. | |
Verdacht auf Fungämie | 1. und 2. Tag | 2 - 3 Entnahmen, möglichst bei beginnendem Fieberanstieg und vor Therapiebeginn. |
Liquor und Punktate aus sonst sterilen Körperhöhlen
Punktat in ein steriles Röhrchen überführen, umgehenden Transport ins Labor gewährleisten. Steht die Möglichkeit eines ad hoc-Transports nicht zur Verfügung, sollte ein Teil des Materials zusätzlich in Blutkulturflaschen inokuliert werden (aerobe und anaerobe Flasche).
Rachen-, Tonsillen- und Nasenabstriche
Abstrich möglichst am Morgen vor Nahrungsaufnahme. Zunge mit Spatel herunterdrücken, Material gezielt unter Sicht durch Drehen des Tupfers entnehmen, Zunge nicht berühren. Abstrich in Transportmedium überführen.
Sputum
Morgensputum verwenden. Vor dem Abhusten Mund gründlich mit Wasser ausspülen (Reduktion der Begleitflora), jedoch nicht desinfizieren. Bei Untersuchung auf TBC abgekochtes Wasser oder Tee zum Spülen verwenden.
Zur Sputumgewinnung ggf. Provokationsversuch durch Inhalation eines 45°C warmen, hypertonen Aerosols (z. B. einer 10%igen NaCl-Lösung in 15%igem Propylenglykol). Sputum, das nicht innerhalb von 2-3 h untersucht werden kann, ist sofort nach der Entnahme auf 4°C zu kühlen. Material in steriles Röhrchen überführen. Für die Untersuchung auf Mykobakterien Proben an drei aufeinanderfolgenden Tagen entnehmen.
Material aus dem unteren Respirationstrakt
Bronchiallavage, Bronchialsekret, tracheales Aspirationsmaterial, Trachealsekret. Proben kühl halten (4°C), Transport innerhalb 24 h zum Labor.
Abstrich vom Auge
Konjunktiva nach Abheben des Augenlids mit Tupfer abstreichen, Tupfer in Transportmedium überführen. Materialentnahme auch vom nicht infizierten Auge empfehlenswert. Die Nachweisrate kann erhöht werden, indem der Tupfer direkt auf eine vorgewärmte Schokoplatte ausgestrichen wird. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie in unserer Mikrobiologieabteilung. Konjunktivalsekret mit Spritze oder Pasteurpipette entnehmen, in sterilem Röhrchen versenden.
Cornealabstrich von Randbezirken und Zentrum eines Ulcus entnehmen.
Eiter und Wundabstriche
Krusten und oberflächliches Sekret entfernen, Material aus der Tiefe der Wunde nahe zum gesunden Gewebe entnehmen und in Amies-Transportmedium überführen. Eiterpunktate und flüssiges Material aus tiefen Wunden in sterilem Röhrchen transportieren. Lagerung bis zum Transport bei Raumtemperatur.
Für mykologische Untersuchungen (Dermatophyten) Krusten, Haare, Hautgeschabsel, Nagelstückchen, Schuppen und Gewebe in sterilem Röhrchen einsenden. Abstriche sind für die Dermatophyten-Diagnostik nicht geeignet.
Urin
Mittelstrahlurin: Am besten Morgenurin, Abstand zur letzten Miktion mindestens 3 h. Genitalien sorgfältig mit Wasser und Seife reinigen, keine Desinfektionsmittel verwenden. Nach Reinigung zur Probenentnahme Vorhaut zurückstreifen bzw. Labien gespreizt halten, erste Urinportion ablaufen lassen und ohne Unterbrechung des Harnstrahls 5-10 ml in Uristat®-Röhrchen oder sterilem Gefäß auffangen. Uristat®-Röhrchen werden von uns auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt.
Katheterurin: Nur in Ausnahmefällen indiziert (alte Patienten, Querschnittslähmung, etc.), Gefahr der Keimverschleppung in die Blase.
Suprapubisches Blasenpunktat (Optimales Untersuchungsmaterial für die Diagnostik der Harnwegsinfektion, da jede Keimzahl als diagnostisch signifikant anzusehen ist): Punktion nach sorgfältiger Desinfektion der Haut.
Im Falle, dass keine Uristat®-Röhrchen zur Verfügung stehen, sollten die Urinproben unbedingt innerhalb von 24 h gekühlt zum Labor gelangen (bei Kühlung ist die Keimzahl etwa bis zu 24 h stabil). Bei Verwendung von Eintauchnährböden bitte beachten:
![]() | Nährboden vollständig mit Urin benetzen
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![]() | Es sollten keine Urinrückstände im Gefäß verbleiben
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![]() | Gefäß fest zuschrauben, um Austrocknen zu verhindern
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![]() | Verfallsdatum der Nährböden beachten |
Harnröhren- Cervix-, Vaginal-Abstriche, Ejakulate
Abstrichtupfer sollten in Transportmedium, Ejakulate nativ in sterilen Röhrchen versandt werden. Für die Mykoplasmen- und Chlamydien-Diagnostik stehen spezielle Transportmedien zur Verfügung. Bei V. a. Gonorrhoe Abstrichtupfer in Amies-Medium mit Aktivkohle versenden.
Stuhlproben und andere Materialien bei bakteriellen Darmerkrankungen
Walnussgroße (ca. 5-8 ml) Faeces-Probe in einem Stuhlröhrchen einsenden (bitte Stuhl nur in das innere Röhrchen einfüllen). In Ausnahmefällen können auch Rektalabstriche eingeschickt werden.
Zur Erhöhung der Sensitivität sollten drei Stuhlproben von verschiedenen Tagen untersucht werden. Durchfallerreger sind am ehesten in den blutig-schleimigen Anteilen der Stuhlprobe nachzuweisen.
Außerdem können Duodenalsaft, Erbrochenes, seltener Blut und Knochenmarkpunktate geeignet sein (z. B. bei Typhusverdacht).
Darmparasiten
Erbsengroße Stuhlprobe zur Untersuchung auf Würmer und Wurmeier einsenden. Oxyureneier werden besser mit einem Tesafilmstreifen nachgewiesen, der morgens gegen die Analregion gedrückt und dann auf einen Objektträger geklebt zum Versand gelangt.
Zum mikroskopischen Nachweis von Amöben und Lamblien (vegetative Formen) sollte eine körperwarme Stuhlprobe direkt im Labor abgegeben werden. Zum Nachweis von Amöben- bzw. Lamblienzysten mittels ELISA genügt eine native Stuhlprobe.
Wichtig: In jedem Fall sollte zur Erhöhung der Ausbeute Material aus makroskopisch auffälligen Stuhlanteilen (z. B. blutige oder schleimige Bereiche) eingeschickt werden.
Tuberkulose-Diagnostik
Die Besonderheiten der Materialentnahme für die Mykobakteriendiagnostik sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Tabelle 2: Geeignete Materialien und Materialgewinnung bei Verdacht auf Tuberkulose oder andere Mykobakteriosen
Sputum 5-10 ml, 3 Proben (ggf. mehr Proben bei klinischen Verdacht und negativer Mikroskopie). | Gewinnung vor dem Frühstück, nach Mundspülung mit abgekochtem Wasser oder Tee, Abhusten nach mehreren Inspirationen. |
Magensaft 3 Proben. Magen mit 20-30 ml steriler physiologischer NaCl-Lösung spülen. | Patient nüchtern, Entnahme morgens, nach Sekretgewinnung Magensaft in Gefäße mit 1-2 ml gesättigter Natrium-Phosphat-Lösung füllen. |
Urin 30-50 ml, 3 Proben. | Morgenurin (korrekt entnommener Mittelstrahlurin), Lagerung bei 4°C). |
Menstrualblut Repräsentative Menge, 3 Proben. | Mit dem gleichen Volumen Aqua dest. versetzen. |
Stuhl Ca. 2 g, 3 Proben. | In der Regel nur sinnvoll bei AIDS-Patienten mit Verdacht auf nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM). |
Bronchialsekret (Sekret, Spülung, Bürste) ca. 5-10 ml. | Bei Gewinnung möglichst kein Lokalanaesthetikum verwenden; erstes Sputum nach Bronchioskopie oft ergiebiger! |
Pleurapunktat mindestens 10 ml. | Zusätzliche Pleurabiopsie kann die Ausbeute erhöhen. |
Liquor mindestens (!) 3-5 ml. | Wiederholte Untersuchungen können erforderlich sein. |
Ergüsse, Abszeßpunktate mindestens 3-5 ml. | Aspiriertes Material, keine Watteträger einsenden. |
Biopsie, Operationsmaterial Repräsentative Menge. | In kleiner Menge steriler NaCl (0,9%) einsenden, nicht fixieren. |
Knochenmark Repräsentative Menge. | Bei V. a. Miliartuberkulose bzw. Dissemination (TB und nicht-tuberkulöse Mykobakterien). |
Blut Citratblut, 8-10 ml. | Immunsuppression und V. a. Mykobakteriämie. |

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